Hiob

Hiob 31

Schlachter 1951
1

Einen Bund hatte ich geschlossen mit meinen Augen, und wie hätte ich mein Auge auf eine Jungfrau werfen dürfen!

💡 Andacht
2

Denn was würde mir Gott vom Himmel dafür zuteilen, und welchen Lohn erhielte ich vom Allmächtigen aus der Höhe?

💡 Andacht
3

Ist denn das Unglück nicht für den Ungerechten und das Mißgeschick für dieÜbeltäter?

💡 Andacht
4

Sieht Er nicht meine Wege und zählt alle meine Schritte,

💡 Andacht
5

so daß er wissen kann, ob ich mit Lügen umgegangen oder auf Betrug ausgegangen bin?

💡 Andacht
6

Er wäge mich auf gerechter Waage, so wird Gott meine Unschuld erkennen!

💡 Andacht
7

Ist mein Schritt vom Wege abgewichen oder mein Herz den Augen nachgewandelt und klebt meinen Händen ein Makel an,

💡 Andacht
8

so will ich säen, und ein anderer soll es essen, und meine Pflanzungen sollen entwurzelt werden!

💡 Andacht
9

Hat sich mein Herz hinreißen lassen zu einem Weibe, oder habe ich gelauert an der Tür meines Nächsten,

💡 Andacht
10

so soll mein Weib für einen andern mahlen, und andere mögen sichüber sie beugen!

💡 Andacht
11

Denn das wäre eine Schandtat und ein strafwürdiges Vergehen,

💡 Andacht
12

ja ein Feuer wär's, das bis in die Hölle hinein brennen und alle meine Habe verzehren müßte mit Stumpf und Stiel.

💡 Andacht
13

Habe ich das Recht verweigert meinem Knecht oder meiner Magd, wenn sie eine Sache wider mich hatten,

💡 Andacht
14

was wollte ich tun, wenn Gott wider mich aufträte, und wenn er mich zur Rede stellte, was wollte ich ihm antworten?

💡 Andacht
15

Hat nicht der, der mich im Mutterschoße bereitete, auch sie gemacht, hat nicht ein und derselbe uns aus dem Mutterleibe hervorgebracht?

💡 Andacht
16

Habe ich den Armen versagt, was sie begehrten, und die Augen der Witwe verschmachten lassen?

💡 Andacht
17

Habe ich meinen Bissen allein verzehrt, und hat das Waislein nichts davon gekriegt?

💡 Andacht
18

Wahrlich, von meiner Jugend auf hat es mich hochgehalten wie einen Vater, und von Mutterleib an habe ich sie geführt!

💡 Andacht
19

Habe ich einen umherirren sehen ohne Kleider und dem Armen keine Decke gegeben?

💡 Andacht
20

Nein, wahrlich, es haben mich seine Lenden gesegnet, wenn sie von der Wolle meiner Lämmer warm geworden sind!

💡 Andacht
21

Habe ich meine Hand gegen die Waise erhoben, weil ich sah, daß man mir helfen würde im Tor,

💡 Andacht
22

so soll mir die Schulter vom Nacken fallen und mein Arm aus seiner Röhre brechen!

💡 Andacht
23

Aber ich hätte mich vor Gottes Strafe gefürchtet, und aus Ehrfurcht vor ihm hätte ich es gar nicht gekonnt.

💡 Andacht
24

Habe ich mein Vertrauen auf Gold gesetzt und zu dem feinen Gold gesagt:

💡 Andacht
25

💡 Andacht
26

habe ich die Sonne angesehen, weil sie leuchtete, und den Mond, weil er so prächtig dahinzog,

💡 Andacht
27

und habe ich mein Herz im Geheimen betören lassen, daß ich ihnen Küsse zuwarf mit der Hand,

💡 Andacht
28

so wäre auch das ein strafwürdiges Vergehen gewesen; denn ich hätte den Gott verleugnet, der höher ist.

💡 Andacht
29

Habe ich mich gefreutüber den Sturz meines Feindes und mich ergötzt daran, wenn ihn ein Unglück traf?

💡 Andacht
30

Nein, ich habe meine Zunge nicht hergegeben zum Sündigen, daß ich mit einem Fluche sein Leben gefordert hätte.

💡 Andacht
31

Haben meine Hausgenossen nicht oft gesagt: Wer hätte sich nicht von seinem Fleische gesättigt?

💡 Andacht
32

Kein Fremdling brauchte draußen zuübernachten; ichöffnete meine Tür dem Wandersmann.

💡 Andacht
33

Habe ich, wie Adam, meineÜbertretung bedeckt, so daß ich meine Schuld in meinem Busen verbarg,

💡 Andacht
34

weil ich die große Menge fürchtete und die Verachtung der Geschlechter mich erschreckte, so daß ich schweigen mußte und nicht zur Tür hinausgehen durfte?...

💡 Andacht
35

O daß ich einen hätte, der mir Gehör schenkte! Siehe, da ist meine Unterschrift; der Allmächtige antworte mir, und mein Gegner schreibe eine Klageschrift wider mich!

💡 Andacht
36

Wahrlich, ich würde sie auf meine Schulter legen und sie mir wie eine Krone umbinden!

💡 Andacht
37

Meine Schritte dürfte ich ihm getrost aufzählen und ihm nahen wie ein Fürst!

💡 Andacht
38

Wenn mein Acker wider mich schreit und seine Furchen miteinander weinen,

💡 Andacht
39

weil ich, ohne ihn zu bezahlen, seinen Ertrag genossen und seinen Besitzer ums Leben gebracht habe,

💡 Andacht
40

so soll er statt Weizen Dornen tragen und Unkraut anstatt der Gerste! Zu Ende sind die Reden Hiobs.

💡 Andacht